Unsere Kernthemen

Weltweit haben Feminist*innen schon vieles erkämpft ‐ vom Zugang zu Bildung, Wahlrecht für Frauen, Recht auf Scheidung ohne Schuldfrage, Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe bis hin zur „Nein heißt Nein“‐Gesetzgebung. Aber damit geben wir uns nicht zufrieden. Noch immer gibt es in vielen Bereichen keine Gleichstellung, denn festgefahrene patriarchale Strukturen unterdrücken FLINT*Personen.
FLINT* steht dabei für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht‐binäre und trans*idente Menschen.

Wir kämpfen gegen die strukturelle Unterdrückung durch das Patriarchat und den Kapitalismus.

Dies sind unsere Positionen:

  • Bei der Verteilung von Macht und Ressourcen besteht weltweit ein großes Ungleichgewicht. Der patriarchale Kapitalismus baut auf ein binäres System, das Sorgearbeit ‐ also etwa Haushalts‐ und Erziehungsarbeit, körperliche und emotionale Fürsorge sowie Pflege ‐ Frauen zuschreibt. So erledigen sie einen großen Teil der unbezahlten Arbeit, verdienen für bezahlte Tätigkeiten im Schnitt weniger und sind in der Folge überdurchschnittlich oft von Altersarmut betroffen. Zwar haben Feminist*innen Zugänge zu Bildung, entlohnter Arbeit und offentlichem Leben für Frauen erkämpft, jedoch dominieren Männer noch immer die einflussreichen Positionen.
  • Wir stehen ein für eine gleichberechtigte und solidarische Gesellschaft ohne Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit. Im Patriarchat werden Frauen nicht nur im Bereich der Arbeit, sondern durch Rollenzuschreibungen zu den Geschlechtern auch in allen anderen Lebensbereichen unterdrückt ‐ wie etwa hinsichtlich der Selbstbestimmung über den eigenen Körper oder die Sexualität. All diejenigen, die sich gar nicht in die Kategorien „Mann“ oder „Frau“ einordnen können oder wollen, sind sogar noch stärker von Diskriminierungen betroffen. Dies zeigt sich sowohl in alltäglichen sexistischen, inter‐ oder transfeindlichen Übergriffen wie etwa auch in Gesetzgebungen, die FLINT*Personen diskriminieren.
  • FLINT*Personen werden nicht nur aufgrund ihres Geschlechts unterdrückt, sondern auch etwa aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, sexueller oder romantischer Orientierung, Religionszugehörigkeit, sozialer Klasse, Alter oder Behinderung. Unterschiedliche Diskriminierungsformen müssen in ihren Wechselwirkungen zueinander betrachtet werden.
    In den 1980er Jahren haben Women of Colour den Feminismus weißer Frauen kritisiert, der sie vielfach ausschloss und die spezifischen Arten, auf die Schwarze Frauen diskriminiert werden, ignorierte. Damit haben sie eine wichtige Debatte angestoßen, die wir auch heute hinsichtlich unserer eigenen feministischen Kämpfe nicht aus dem Blick verlieren dürfen.

Wir fordern:

  • FLINT*Personen müssen aktiv gestärkt werden! Im Anbetracht der bestehenden Unterdrückungsverhältnisse setzen wir uns für Empowerment sowie geschützte Räume für FLINT*Personen ein.
  • Sexualisierte Gewalt muss endlich als gesellschaftliches Problem anerkannt und als solches bekämpft werden.
    Jede dritte Frau ist direkt von sexualisierter Gewalt betroffen. Menschen, die Grenzüberschreitungen, sexualisierte Übergriffe oder Vergewaltigungen benennen, müssen jedoch nach wie vor damit rechnen, dass ihnen nicht geglaubt wird oder die von ihnen benannten Übergriffe bagatellisiert werden. Ob in Gerichtssälen oder im eigenen Umfeld ‐ nicht selten müssen sie sich permanent rechtfertigen und gleichzeitig erleben, wie die Täter in Schutz genommen werden. So ist es nicht verwunderlich, dass die wenigsten Fälle zur Anzeige gebracht werden und auch hinsichtlich der Ergebnisse von Erhebungen mit hohen Dunkelziffern zu rechnen ist.
    Zwar haben feministische Kämpfe weltweit in den letzten Jahren dazu beigetragen, das Thema zum Gegenstand öffentlicher Debatten und Diskussionen zu machen, wir brauchen jedoch noch viel mehr: Die Tabuisierung des Sprechens über sexualisierte Gewalt muss aufhören. Betroffene müssen gestärkt, gewaltausübende Personen hingegen für ihr Handeln zur Verantwortung gezogen werden.
    Und: Betroffene von sexualisierter Gewalt sind vor allem FLINT*Personen, Kinder oder Menschen, die häufig in Abhängigkeitsverhältnissen zu den Tätern stehen. Bei den gewaltausübenden Personen handelt es sich fast ausschließlich um cis Männer. Wir müssen also auch darüber sprechen, in welchem Rahmen sexualisierte Gewalt ausgeübt und unter welchen patriarchalen Stukturen, Männlichkeitsbildern und Beziehungsstrukturen sie immernoch toleriert wird.
  • Femizide müssen als das benannt werden, was sie sind ‐ nämlich Morde an Frauen. Weltweit werden Menschen aufgrund ihrer geschlechtlichen Zugehörigkeit ermordet. Femizide werden vor allem von Männern, die Partner*innen töten, oder Familienangehörigen ausgeführt. Mit Begriffen wie „Beziehungstat“, „Familiendrama“ oder „Ehrenmord“ wird dies in Polizei‐ und Medienberichten verschleiert.
  • Geflüchtete Frauen müssen in der aktuellen Debatte um Intersektionalität stärker in den Fokus rücken, da sie von mehreren Formen der Diskriminierung betroffen sind. Frauen machen etwa 45% der Gesamtzahl aller Geflüchteten in Europa aus. Dahinter stecken in vielen Fällen geschlechtsspezifische Fluchtgründe wie Angst vor Ermordung, erzwungene Schwangerschaftsabbrüche, Zwangsheirat, Versklavung, Genitalverstümmelung oder Witwenverbrennung. FLINT*Personen sind besonders durch Menschenhandel und Zwangsprostitution gefährdet. Den besonderen Schutzbedürfnissen, die sich daraus ergeben, muss Rechnung getragen werden.