Aufruf zur Demo zum Internationalen Feministischen Kampftag
08.03.26 | 14 UHR | KOHLMARKT
Das ganze Jahr sorgen wir für alle, am 8. März sorgen wir für Furore.
Unsere Gesellschaft hat immer noch sehr genaue Vorstellungen davon, wie eine Frau zu sein hat: freundlich, zurückhaltend, gut gelaunt und sanftmütig. Trotz über 100 Jahren Frauenbewegung halten sich diese Stereotype hartnäckig. Für alle Frauen und weiblich gelesenen Personen, die sich nicht daran halten, hat das Patriarchat ein ganzes Repertoire an Beleidigungen: Furie, Schreckschraube, Zankweib, Xanthippe, Meckerziege, Hausdrache, Zicke, Giftnudel, Hexe, Kratzbürste. Wer so genannt wird, soll sich schämen und zum Schweigen gebracht werden. Doch wir sind nicht länger still, denn es gibt zu viele Gründe, wütend zu sein.
Wir sind wütend, weil wir nirgendwo sicher sind.
Ob auf der Straße, in den eigenen vier Wänden oder online, überall können wir patriarchaler Gewalt ausgesetzt sein: Queerfeindlichkeit, häusliche Gewalt, Hasskommentare, Belästigungen, Vergewaltigungen, bis hin zum Femizid, dem Mord an einer Frau, weil sie eine Frau ist.
Wir sind zornig, weil wir finanziell benachteiligt werden.
Noch immer verdienen Frauen weniger als Männer, weil sie für Familienarbeit zurückstecken, weil typische Frauenberufe schlechter bezahlt werden oder weil Produkte für Frauen teurer verkauft werden.
Wir sind in Rage, weil Antifeminismus wieder erstarkt.
Der Rechtsruck bringt alte Rollenbilder zurück. Incels und konservative Influencer verbreiten über Podcasts und Social Media ihre rückständigen Vorstellungen davon, wie eine Frau zu sein hat, welche Geschlechter es geben darf und wie unsere Sexualität auszusehen hat. So werden neue Generationen mit sexistischen Vorurteilen überzogen, die ein fatales Comeback feiern.
Wir sind angepisst, weil wir mit der Care-Arbeit allein gelassen werden. Wir halten Familie, Haushalt und Pflege am Laufen. Im Privaten wie im Beruflichen sind wir dabei überlastet und unterbezahlt. Diese Arbeit, das Rückgrat unserer Gesellschaft, wird politisch kaum anerkannt. Wer Care Arbeit trägt, ist massiv von Armut bedroht.
Wir fahren aus der Haut, weil Schwangere nicht selbst über ihre Körper bestimmen dürfen.
Noch immer ist der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland nicht legal, sondern lediglich unter bestimmten Bedingungen straffrei. Diese Politik verhindert eine sichere, umfassende medizinische Versorgung. Ungewollt Schwangere stehen in dieser ohnehin schon belastenden Situation vor unzähligen Hürden, bevor sie ihr Recht auf einen sicheren Schwangerschaftsabbruch wahrnehmen können.
Daneben gibt es noch eine Vielzahl weiterer Gründe, grantig zu werden. Die Gesellschaft erwartet von uns, all dies hinzunehmen, unsere Wut herunterzuschlucken und gute
Miene zum bösen Spiel zu machen. Doch wir antworten darauf laut, pöbelnd und aufmüpfig. Denn wenn eine wütende weiblich gelesene Person schon eine Furie ist, wie viel Furore können tausende wütende FLINTA* entfachen? Lasst es uns herausfinden!
Kommt am internationalen feministischen Kampftag mit uns auf die Straße, um für
Gleichberechtigung und Selbstbestimmung einzustehen und unserer Wut über die Verhältnisse eine Gestalt zu geben.
